10.12.2010

Duisburger Besuch in Zonguldak (Türkei)

Vom 08.11. bis zum 11.11.2010 besuchte eine Duisburger Delegation im Rahmen des Comenius Projektes “Lebenslanges Lernen - Using Information Technologies Effectively in Educational Activities“ die Stadt Zonguldak

Was ist das Comenius Programm?
Das Comenius-Programm ist ein 1995 eingerichtetes Programm der Europäischen Union mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Europäischen Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Es soll der einheitliche Europagedanke gefördert und das lebenslange Lernen fokussiert werden.

In einer Zeit, in der sich die Technik immer schneller immer weiter entwickelt und Europa wächst, müssen auch Lehrer Schritt halten. Weiterbildung und neuen Kulturen offen gegenüber stehen sind entscheidende Schlüsselqualifikationen für den Lehreralltag. Das Ziel dieses Projektes ist es, beide Aspekte im Rahmen einer gehaltvollen Zusammenarbeit zu vereinen.

Wo liegt Zonguldak?

Zonguldak ist eine türkische Hafenstadt an der Schwarzmeerküste und hat ca. 110.000 Einwohner. Sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Zonguldak. Die Wirtschaft der Stadt beruht noch überwiegend auf Steinkohle-Bergbau. Rund 30 Prozent der ursprünglichen Einwohner dieser Region leben im Ausland - die meisten davon im Ruhrgebiet.
Wieso hat sich Zonguldak Duisburg als Partnerstadt ausgewählt?
Zonguldak, mit einer wirtschaftlichen Struktur wie Duisburg vor 20 Jahren, steht vor dem Wandel, den Duisburg bereits eingeleitet hat.

Wie sieht das türkische Schulsystem aus?

Das türkische Schulsystem ist zentral organisiert und untersteht dem Ministerium für Nationale Erziehung (MEB) in Ankara, das alle Curricula und Lehrbücher (auch von Privatschulen) genehmigen muss.
Kinder werden mit sechs oder sieben Jahren eingeschult. Es besteht eine Schulpflicht von acht Jahren: Die fünfjährige Grundschule und die dreijährige Mittelschule bilden nun eine Schule, deren Besuch kostenlos ist, während die Eltern für Lehrbücher und Schuluniformen aufkommen müssen. Die wöchentliche Unterrichtsstundenzahl beträgt stets 30 Stunden, in der ersten Klasse genauso wie in der achten. Ein Schuljahr dauert 190 Schultage. Jeweils nach Abschluss der Grund- und Mittelschule erhalten die Schüler ein Abschlussdiplom. Danach können die Schüler die Schule verlassen, es gibt jedoch keine Berufsausbildung wie in Deutschland. Infolgedessen gibt es auch keine Ausbildungsplätze bzw. Lehrstellen wie in Deutschland. Diejenigen, die von der Schule abgehen - und das ist der größte Teil der Schüler - arbeiten meist im elterlichen Geschäft oder ergreifen Berufe, für die keine weitere Ausbildung nötig ist, um die Eltern finanziell zu unterstützen.
Um eine kostenlose (staatliche) weiterführende Schule zu besuchen, müssen die Schüler eine Aufnahmeprüfung für die verschiedenen Formen von allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen ablegen. An den dreijährigen berufsbildenden Gymnasien erhalten sie neben der Hochschulreife auch eine Berufsausbildung. Einige Berufsgymnasien und eine zunehmende Zahl von allgemein bildenden Gymnasien bieten neben der dreijährigen Form eine vierjährige an, bei der einige Fächer in einer Fremdsprache unterrichtet werden (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch). Zur Vorbereitung werden die Schüler ein Jahr lang intensiv in der Fremdsprache unterrichtet, so dass sich die Schuldauer auf zwölf Jahre erhöht.
Die Schüler wählen nach der achten Klasse für die weiterführende Schule einen Schwerpunkt. Durch diese Wahl ist auch schon das Gebiet, das sie später studieren werden festgelegt. So kann ein Schüler, der das gesellschaftswissenschaftliche Feld zu seinem Schwerpunkt gewählt hat, später nicht Medizin studieren.
Am Ende der Klassen 11 bzw. 12 muss eine Prüfung abgelegt werden. Besteht der Schüler diese Prüfung, darf er an der Universität ein Fach aus seinem Schwerpunktfeld studieren. Je besser seine Noten sind, desto kürzer ist die Studienzeit. Außerdem kann er auf einen Studienplatz an einer guten Universität hoffen. Fällt er allerdings durch diese Prüfung, hat er keinen Abschluss. Er wird aber im folgenden Jahr noch einmal zur Prüfung zugelassen. In der Zwischenzeit liegt es in seinem eigenen Ermessen, was er machen möchte. Er hat die Möglichkeit, Kurse zu belegen, die ihm helfen sollen sich auf die Prüfung vorzubereiten. Diese Kurse sind freiwillig.

Wie funktioniert das Berufsbildungssystem in der Türkei?
Der traditionelle Ausbildungsweg ist eine praktische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb, den in der Türkei nur ca. 30 % der Absolventen eines Jahrgangs einschlagen.
Die Berufsgymnasien vermitteln vorwiegend theoretische Kenntnisse, während praktische Erfahrungen durch Betriebspraktika in den Ferien erworben werden.
Der traditionelle Ausbildungsweg ist eine praktische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb, die nach der Pflichtschulzeit aufgenommen wird. Dabei führt der Meister und Betriebsinhaber (usta) den Lehrling in Theorie und Praxis seines Berufes ein. Die Lehrzeit ist nicht festgelegt, beträgt aber üblicherweise drei bis fünf Jahre und endet bei Jungen spätestens mit Beginn der Militärzeit. Der Meister verleiht dem Jugendlichen den Titel kalfa (etwa: Geselle) und lässt ihn von der jeweiligen Berufskammer bestätigen. Nach einigen weiteren Arbeitsjahren kann der Geselle selbst einen Gewerbeschein beantragen und eine Werkstatt eröffnen.
Um den Schwächen dieses Systems zu begegnen (einseitige Ausbildung, große Abhängigkeit vom Betrieb, mangelnde Vergleichbarkeit der Abschlüsse), wird seit Ende der 1980er Jahre versucht, das duale System einzuführen, bei dem die Jugendlichen neben der betrieblichen auch eine formale, schulische Ausbildung erhalten. Der Abschluss im dualen System eröffnet den Absolventen größere berufliche Chancen, Klein- und Mittelbetriebe sind mit der systematischen Ausbildung jedoch oft überfordert, so dass dieser Ausbildungstyp vor allem von Großbetrieben angeboten wird.

Wer sind die Partner vor Ort?
1. DuisburgBildung - Bildungsholding
2. FAL Berufskolleg
3. KBM Duisburg
4. Kapadokien Verein

Was ist bisher geschehen?
Besuche im April und November 2010
Im April und im November dieses Jahres besuchten Duisburger Delegationen Zonguldak. Vor Ort haben sie vom Vorschulkindergarten bis hin zur Universität jegliche Schulform besichtigt und viel über das Bildungssystem und die technische Ausstattung erfahren. Sie durften am Unterricht in den verschiedenen Schulformen teilnehmen und den Einsatz von neuen Medien erleben.

Arbeitstreffen in Duisburg und in Zonguldak
- Die Übereinstimmungen und Differenzen zwischen den Bildungssystemen und der technischen Ausstattung vorgestellt und differenziert betrachtet.
- Ein Fragebogen zum Einsatz der neuen Medien, in dem die Ausstattung der verschiedenen Schulen, das Nutzungsverhalten der Lehrkräfte und die Akzeptanz der selbigen abgefragt wird, erstellt. (Die Befragung wurde in Zonguldak bereits durchgeführt und findet in der kommenden Woche in Duisburger Schulen statt. Eine gemeinsame Evaluation der Ergebnisse erfolgt anschließend.)
- Der Aufbau und die Inhalte der Homepage besprochen.
- Eine Schulung für Lehrkräfte in Zonguldak geplant.
- Das Vortragsmaterial für die Lehrerkonferenzen besprochen.
- Das Veröffentlichungsmaterial in der Form eines Flyers festgelegt, die finanziellen Mittel geklärt und Inhalte diskutiert.